Gottesdienst für Entschlafene mit Stammapostel Mutschler

Am Sonntag, 1. November 2026, feiert Stammapostel Helge Mutschler um 10 Uhr in der Stadthalle Tuttlingen den dritten Gottesdienst für Entschlafene des Jahres. Der Gottesdienst wird live in die europäischen Gebietskirchen übertragen und kann in zahlreichen Gemeinden - so auch in Lübeck - mitgefeiert werden.

Der Gottesdienst bildet den Abschluss einer Zusammenkunft der europäischen Apostel, die am 30. und 31. Oktober in Tuttlingen zu Beratungen zusammenkommen.

 

Gedenken und Fürbitte für Verstorbene

Der Glaube an die Auferstehung und ein ewiges Leben gehört zu den Grundlagen des christlichen Glaubens. Neuapostolische Christen glauben darüber hinaus, dass Gottes Erlösungswille alle Menschen umfasst – unabhängig davon, ob sie leben oder bereits verstorben sind. Die durch Jesus Christus eröffnete Möglichkeit der Erlösung ist nach diesem Verständnis nicht auf das irdische Leben begrenzt.

Dreimal im Jahr, jeweils am ersten Sonntag im März, Juli und November, feiern neuapostolische Christen weltweit einen Gottesdienst für Entschlafene. Im Mittelpunkt stehen das Gedenken an Verstorbene und die Fürbitte für diejenigen, die das Heil in Christus noch nicht erlangt haben. Die Gläubigen empfehlen die Verstorbenen in persönlichen und gemeinsamen Gebeten der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

 

Sakramente auch für Entschlafene

Eine Besonderheit der neuapostolischen Glaubenspraxis ist die Spendung von Sakramenten für Verstorbene. Nach dem Glaubensverständnis der Neuapostolischen Kirche können auch Menschen, die bereits gestorben sind, die Erlösung durch Jesus Christus erlangen und die Sakramente empfangen.

In den Gottesdiensten für Entschlafene, die der Stammapostel, die Bezirksapostel oder von ihnen beauftragte Apostel durchführen, werden die drei Sakramente der Kirche auch für Verstorbene gespendet: die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung und das Heilige Abendmahl. Die Sakramentsspendung erfolgt stellvertretend an zwei lebenden Amtsträgern. In den übrigen Gemeinden wird der Entschlafenen in einem besonderen Gebet gedacht.

 

Biblische Grundlagen

Die Neuapostolische Kirche stützt ihren Glauben an die Möglichkeit der Erlösung Verstorbener auf verschiedene Aussagen der Bibel. Dazu gehört insbesondere das Zeugnis, dass Jesus Christus Herr über Lebende und Tote ist (Römer 14,9).

Im ersten Petrusbrief wird berichtet, dass Christus nach seinem Tod den „Geistern im Gefängnis“ gepredigt habe (vgl. 1. Petrus 3,19). Der Apostel Paulus nimmt in seinem ersten Brief an die Korinther Bezug auf Menschen, die sich für Verstorbene taufen ließen (vgl. 1. Korinther 15,29). Die Neuapostolische Kirche sieht darin einen biblischen Anknüpfungspunkt für die stellvertretende Sakramentsspendung.

Bereits im Alten Testament finden sich Hinweise auf Fürbitten zugunsten Verstorbener. So berichtet das zweite Buch der Makkabäer von einem Sühnopfer, das Judas Makkabäus für gefallene Männer darbringen ließ (vgl. 2. Makkabäer 12,38–45).

 

Entwicklung der Gottesdienste für Entschlafene

Das besondere Gedenken an Verstorbene hat in der Geschichte der Neuapostolischen Kirche eine lange Tradition. Bereits in den katholisch-apostolischen Gemeinden wurde der Entschlafenen während der Feier des Heiligen Abendmahls und besonders am Feiertag Allerheiligen gedacht.

Ab 1872 wurden in den Niederlanden nach kirchengeschichtlichen Darstellungen der Neuapostolischen Kirche Taufen und Versiegelungen stellvertretend für Verstorbene durchgeführt. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit das heutige Verständnis der Gottesdienste für Entschlafene.

Zunächst gab es keine weltweit einheitlichen Termine. Die Gottesdienste fanden je nach Region und örtlicher Tradition an unterschiedlichen Tagen statt. Stammapostel Hermann Niehaus hielt solche Gottesdienste beispielsweise am zweiten Weihnachtstag oder am zweiten Pfingsttag.

 

Drei feste Termine seit 1954

Im Jahr 1950 legte die Apostelversammlung erstmals einen weltweit einheitlichen Termin für den Gottesdienst für Entschlafene fest: den ersten Sonntag im November. Vier Jahre später wurde diese Regelung erweitert. Stammapostel Johann Gottfried Bischoff bestimmte im Einvernehmen mit der Apostelversammlung, dass künftig dreimal jährlich Gottesdienste für Entschlafene stattfinden sollten. Am 4. Juli 1954 wurde diese Regelung erstmals umgesetzt.

Seitdem werden die Gottesdienste für Entschlafene weltweit am ersten Sonntag im März, Juli und November gefeiert. Sie haben bis heute einen festen Platz im Kirchenjahr der Neuapostolischen Kirche.

Weiterführende Informationen zum Glauben an das Leben nach dem Tod und zur Sakramentsspendung für Verstorbene enthält der Katechismus der Neuapostolischen Kirche.